Sommerkonzert
                            2026

Schriesheimer Kammerorchester begeistert mit Johann David Vogel, Cornelia Lanz und einer ganz besonderen Zugabe

Die Plätze unter der Linde vor dem Zehntkeller waren am Freitagabend schnell gefüllt. Schon bald mussten rund 50 zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden, und auch an der Bewirtung mit Getränken und Fingerfood herrschte reger Betrieb.

Den ersten Konzertteil eröffnete das Orchester mit dem Intermezzo aus Cavalleria rusticana von Pietro Mascagni, wunderbar einfühlsam gespielt. Es folgten Werke von Grieg, Elgar und Tschaikowsky. Am Pult stand der gebürtige Schriesheimer Johann David Vogel, der an der Hochschule für Musik in Weimar Orchesterdirigieren studiert. Souverän und charmant führte er durch das Programm. Seine Begeisterung und Energie steckten Orchester und Publikum gleichermaßen an. Für das Konzert hatte er nicht nur mehrfach den Weg von Weimar nach Schriesheim auf sich genommen, sondern auch die Auswahl der Stücke übernommen und sämtliche Gesangstitel für Streichorchester arrangiert. Einen ersten Höhepunkt setzte Mezzosopranistin Cornelia Lanz mit dem Vilja-Lied aus Die lustige Witwe. Ihr inniger Vortrag schuf einen jener Momente, in denen die Musik allein genügt. Der Platz unter der Linde wurde ganz still.

Nach der Pause hatte sich die Sonne hinter den Dächern verabschiedet. Mit Piazzollas Libertango und La Cumparsita zog südamerikanisches Temperament auf den Platz. Cornelia Lanz erschien nun als Carmen im schwarzen Flamencokleid mit rotem Fächer. Während der Habanera zog sie singend durch die Reihen, suchte den Kontakt zum Publikum und bezirzte die Männer mit Fächer und kecken Gesten. Zum Abschluss bekam auch der Dirigent einen Lippenstift-Schmatzer auf die linke Wange. Das anschließende Chanson steigerte sich mit jeder Strophe zu einem mitreißenden Presto, was nur eine Reaktion zuließ: Das Publikum forderte eine Zugabe.


Die Überraschung folgte mit dem Trinklied des Prinzen Orlofsky aus Die Fledermaus. Prof. Dr. Gerhard Hofsäß hatte drei zusätzliche Schriesheimer Strophen geschrieben. Zwischen dem verschwundenen Gipfelkreuz auf dem Ölberg, stets missachteter Einbahnstraßenregelung, Windkraftdiskussionen und der wiedereröffneten Strahlenburg erkannte sich das Publikum immer wieder selbst. Zum Running Gag wurde Orlofskys wiederkehrendes „Ja, warum denn?“. Schließlich holte Cornelia Lanz den Autor selbst auf die Bühne, damit er die berühmte Frage persönlich stellen konnte.

Mit stehenden Ovationen verabschiedete das Publikum das Schriesheimer Kammerorchester, Cornelia Lanz und Johann David Vogel. Ein Sommerabend ging zu Ende, wie man ihn sich für ein Open-Air-Konzert nur wünschen kann.

Text: Beate Friedrich