
Schriesheimer
Kammerorchester begeistert mit Johann David
Vogel, Cornelia Lanz und einer ganz
besonderen Zugabe
Die Plätze
unter der Linde vor dem Zehntkeller waren am
Freitagabend schnell gefüllt. Schon bald
mussten rund 50 zusätzliche Stühle
herbeigeschafft werden, und auch an der
Bewirtung mit Getränken und Fingerfood
herrschte reger Betrieb.
Den ersten
Konzertteil eröffnete das Orchester mit dem
Intermezzo aus Cavalleria rusticana von
Pietro Mascagni, wunderbar einfühlsam
gespielt. Es folgten Werke von Grieg, Elgar
und Tschaikowsky. Am Pult stand der
gebürtige Schriesheimer Johann David Vogel,
der an der Hochschule für Musik in Weimar
Orchesterdirigieren studiert. Souverän und
charmant führte er durch das Programm. Seine
Begeisterung und Energie steckten Orchester
und Publikum gleichermaßen an. Für das
Konzert hatte er nicht nur mehrfach den Weg
von Weimar nach Schriesheim auf sich
genommen, sondern auch die Auswahl der
Stücke übernommen und sämtliche Gesangstitel
für Streichorchester arrangiert. Einen
ersten Höhepunkt setzte Mezzosopranistin
Cornelia Lanz mit dem Vilja-Lied aus Die
lustige Witwe. Ihr inniger Vortrag schuf
einen jener Momente, in denen die Musik
allein genügt. Der Platz unter der Linde
wurde ganz still.
Nach der
Pause hatte sich die Sonne hinter den
Dächern verabschiedet. Mit Piazzollas
Libertango und La Cumparsita zog
südamerikanisches Temperament auf den Platz.
Cornelia Lanz erschien nun als Carmen im
schwarzen Flamencokleid mit rotem Fächer.
Während der Habanera zog sie singend durch
die Reihen, suchte den Kontakt zum Publikum
und bezirzte die Männer mit Fächer und
kecken Gesten. Zum Abschluss bekam auch der
Dirigent einen Lippenstift-Schmatzer auf die
linke Wange. Das anschließende Chanson
steigerte sich mit jeder Strophe zu einem
mitreißenden Presto, was nur eine Reaktion
zuließ: Das Publikum forderte eine Zugabe.
Die
Überraschung folgte mit dem Trinklied des
Prinzen Orlofsky aus Die Fledermaus. Prof.
Dr. Gerhard Hofsäß hatte drei zusätzliche
Schriesheimer Strophen geschrieben. Zwischen
dem verschwundenen Gipfelkreuz auf dem
Ölberg, stets missachteter
Einbahnstraßenregelung,
Windkraftdiskussionen und der
wiedereröffneten Strahlenburg erkannte sich
das Publikum immer wieder selbst. Zum
Running Gag wurde Orlofskys wiederkehrendes
„Ja, warum denn?“. Schließlich holte
Cornelia Lanz den Autor selbst auf die
Bühne, damit er die berühmte Frage
persönlich stellen konnte.
Mit
stehenden Ovationen verabschiedete das
Publikum das Schriesheimer Kammerorchester,
Cornelia Lanz und Johann David Vogel. Ein
Sommerabend ging zu Ende, wie man ihn sich
für ein Open-Air-Konzert nur wünschen kann.
Text: Beate
Friedrich
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